Spanien Urlaub Ostern 2001:
Etwa
dreimal jährlich fahren wir mit dem Auto nach Spanien. Mein Sohn
Simon (14) und ich sagten uns schon oft, irgendwann machen wir das mit
unserem Motorrad. Geplant war der Start auf 9. April - bis dahin sollte
unsere neue Tiger 955i da sein. Leider kam sie nicht, deshalb gab ich
Bucki (unser Motorradhändler in Konstanz) eine Woche vor Start
Anweisung, unsere alte Tiger nochmal anzumelden. Das war gut, denn als
wir starteten, war die neue noch nicht da.

Vollbepackt
gings um 6.00 Uhr in Stockach los. Der Wetterbericht hatte uns nicht
Gutes verheißen. Es hatte 6 Grad und war 100% bewölkt. Unsere
Triumph-Koffer und das Givi-Topcase reichten gut für unser Gepäck.
Die Fahrt durch die Schweiz hatten wir nach ca. fünf Stunden problemlos
hinter uns gebracht. Der Wetterbericht war zuverlässig. Hinter
Zürich regnete es bis etwa Grenoble fast ununterbrochen. Aber Dank
guter Kleidung waren wir trocken. Dann wurde es aber zusehends wärmer
und schöner. Nach etwa 8 Stunden Autobahn waren wir auf der Höhe
von Montpellier in Frankreich. Dort suchten wir uns ein Quartier und
fanden direkt an der Autobahn ein Ibis-Hotel. Nachdem wir einen Nachmittag
und Abend wie "Gott in Frankfreich" gelebt haben, gings nach
einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück um 6.00 Uhr
morgens, es war noch dunkel, weiter.

Kein
Regen mehr und immer wärmer, so gings an die 1000km-Marke. Je näher
wir zum Mittelmeer kamen wurde es immer schöner - aber auch windiger.
Aber was kann der einer schwer beladenen Tiger schon anhaben?

Die
Pyrenäen zeigten sich schneebedeckt, aber wunderschön. Der
Blick in Richtung Mittelmeer zeigte sich malerisch, wir genossen das!
Aber andrerseits hatten wir noch ca. 400km vor uns - und deshalb gings
wieder weiter! Die spanische Grenze war nicht mehr weit und war ein
besonderer Anreiz, die eigentlich unangenehme Autobahnfahrt zu leicht
zu nehmen.

Etliche
Tankstops und Brotzeitstops lasse ich bewusst unerwähnt. Immer
wenn Simon das Sitzfleisch weh tat, machte er sich bemerkbar, ich denke
es war so alle 200km. Aber das war verständlich und ok. Schon jetzt
war uns für die Zukunft klar, daß wir in dieser Form einen
Motorrad-Urlaub nicht mehr gestalten wollen - diese lange Autobahnfahrt!

Aber
das nur nebenbei, wir sind in Spanien, La Jonquera, den Tank erstmal
mit "preiswertem" Benzin vollgemacht, pinkeln, Brotzeit und
dann weiter - das Ziel ist in greifbare Nähe gerückt, nur
noch 350 km. Girona, Barcelona, Tarragona - das ist ja wirklich nichts
mehr! Denkste, jetzt gings erst richtig los! Bei schönstem Wetter
packten uns unregelmäßige Windböen, die, wie wir später
erfuhren, in den Spitzen bis 180km hatten. Das schlimme war tatsächlich,
daß sie so unberechenbar waren. Mal war nix und plötzlich
mit einer Urgewalt, daß es uns fast umhaute. Etwa 70km vor unserem
Ziel verließen wir die Autobahn und fuhren auf der N 340 gemächlich
weiter.

"Paco"
(=spanisch Franz) im Ebro-Delta, wie man sieht, hundemüde. Das
Tigerle hat bis jetzt alles gut überstanden, es gab keine Probleme.
Erst nach dem Ebro-Delta, etwa 20km vor Vinaros (kommt von Wein=Vin
und=a Reis=ros), ließen die Winde nach und es war wunderschön.

Am
Dienstag, gegen 14.00 Uhr hatten wir, nach ca. 16 Stunden Fahrzeit unsere
1350 km hinter uns gebracht. Die Spanier in der Wohnanlage staunten
nicht schlecht, daß die Alemanos mit dem Motocletta so weit fuhren.
Oder sie dachten bei sich, ganz schön verrückt, die Alemanos.
Was genaues weiß man nicht! Wir haben unsere Wohnung bezogen und
haben unseren Kühlschrank aufgefüllt und uns gleich sauwohl
gefühlt. Erstmal fand das Tigerle Unterkunft in der Tiefgarage.
Sie ist so brav gelaufen, daß sie am folgenden Tag ausruhen durfte
- oder besser gesagt keiner wollte was von ihr wissen.

Kleine
Touren
In
der nachfolgenden Karte habe ich zwei schöne Touren hinterlegt,
einmal mit roten, die andere mit blauen Zahlen. Außerdem gibt
es zwei entferntere Ziele, die als türkiser und roter Kreis kenntlich
gemacht sind.

Tour
rot
Also
der Simon wollte nach drei Tagen noch nichts vom Motorradfahren wissen,
so fuhr ich alleine. Angenommen, jemand möchte die Tour nachfahren,
sollte sie unbedingt so gestartet werden, daß man rechtzeitig
gegen 13.00 in Puebla de Benifassar zum Mittagessen ist, das sind ca.
60km von Vinaros-das schon mal vorne weg. Später noch näheres.
Also
Start in Vinaros bei wunderschönem Wetter (zu Hause am Bodensee
hat es heute Morgen 6 cm Neuschnee!), die Fahrt geht zwischen Orangen-
und Zitronenhainen Richtung Ulldecona. Nach ca. 6km geht es rechts ab
Richtung San Rafael. Die Straße ist gut zu fahren mit schönen,
lang gezogenen Kurven. Weiter nach La Senia geht es schon sanft ins
bergige Hinterland, um nach dem Ort (Nr. 1+2) steiler bergan zu gehen.
Es ist so gut, wie kein Verkehr, man kanns laufen lassen! Aber nicht
zu schnell, denn gleich kommt ein wunderbarer Punkt (Nr.3), der Stausee
von Ulldecona. Er ist derzeit randvoll, wir haben schon Zeiten erlebt,
da war er fast leer und man konnte die jetzt in den Fluten versunkenen
Häuser begehen. Unmittelbar nach der Stauseebrücke rechts
könnte man einen Abstecher auf einer 10km langen Schotterpiste
in den Barranco de la Fou machen, bis zur Font de Teix. Das spare ich
mir, weil sonst der Simon zu lange allein ist.
Weiter
gehts bergauf. Rechts oben sieht man im Berg angeschmiegt Convento Santa
Maria de Benifassar, eine vom Karthäuserorden bewirtschaftete Kloster-anlage,
die man auch besichtigen könnte.
Nach
ca. 2 km bergauf, gabelt sich der Weg. Ich fahre links, Richtung Puebla
de Benifassar. Auf der rechten Seite sieht man dann gleich ein eindrucksvolles
Dorf, Ballestar, das ich aber links liegen lasse, denn Essen ist angesagt
und zwar in Puebla de Benifassar. Gleich am Ortseingang wird das Tigerle
geparkt und für die Nachfahren Bild Nr. 4 gemacht. Das ist das
unschein-bare Lokal, das man sich nicht entgehen lassen sollte (gleich
50m nach Dorfeingang). Für 2000 Pesetas pro Person (ca. DM 25,00)
isst und trinkt man hier bis zum Abwinken (Vorspeise: luftgetrockneter
Ochsen- und Schweineschinken, Oliven, Weißbrot, ein wunderschöner
Salatteller und natürlich landesüblich gleich eine Botella
Vino Tinto, (eigentlich ist man dann schon satt), dann kommt die Hauptspeise:
vom Holzkohlengrill Ziegenkotelett und Patetos (wer nicht satt ist oder
wer noch Durst hat, bekommt nach!), und als Nachspeise gibt es noch
einen Kuchen mit Honig und ganz besonderen Mandeln, die man aufknackt,
indem man die Schale mit zwei Händen gegeneinander dreht (also
nicht mit der Zange).
Total
satt schwing ich mich auf die Tiger, die nach diesem Essen mächtig
in die Knie gehen muss! Es geht ein kleines Wegstück zurück,
dann gehts links weiter bergauf. Die Strecke steht einer Alpentour in
nichts nach, nur absolut kein Verkehr (Bild 5). Es geht weiter an Bojar
vorbei, nach Castell des Cabres (Bild 6). Weiter geht es über den
Pass Torre Miró Richtung Morella, ein hübsches Städtchen,
indem man preiswert Töpfereien und Strickwaren einkaufen kann.
Echt sehenswert ist die Burg (Bild 7). Wenn man Morella nur grob ansehen
will, braucht man ca. 3 Stunden.
Von
hier geht es zurück Richtung Vinaros. Ein empfehlenswerter Halt
ist noch die Nr. 8 auf der Karte. Hier gibt es noch zwei Töpfereien,
die sehenswert sind. Hier kann man äußerst preiswert Koffer
und Topcase mit Töpferwaren füllen.
Wer
jetzt noch nicht genug hat, kann am Kreisverkehr noch Richtung Santuario
Senora del Fuente de la Salud besuchen, eine Kirche mit Wirtschaft,
ist sehenswert.

Tour
blau
Die
Tour beginnt ganz soft im Ebro-Delta, eine weite, ebene Fläche.
Sie ist vom Ebro geteilt und mit vielen Bewässerungskanälen
durchzogen. Es wird Gemüse angebaut und vor allem Reis. Es ist
eine typische Reisanbaugegend. Besonders interessant ist es ganz draußen,
denn auf Landzungen, die im Meer verlaufen, sind festgefahren Sandwege,
auf denen es mit dem Tigerle besonders schön ist (Karte Nr. 1).
Auf
der gegenüberliegenden Ebroseite (Karte Nr. 2) kann man frischen
Ebro-Fisch und allerlei Delta-Spezialitäten genießen. Außerdem
werden von hier Bootsfahrten ins Delta angeboten.
Dann
geht´s südlich, wir versuchen möglichst am Meer entlang
zu fahren, schauen uns den Hafen von Sant Carles de la Rápita
an, der besonders geschützt zum Meer liegt.
Weiter
gen Süden lassen wir uns im Norden von Vinaros nicht die zerklüftete
Steilküste entgehen, die wir auf Schotter hoch fahren (Richtung
Les Cases del Alcanar, direkt am Meer entlang), bis uns der nächste
Baranca stoppt. Dann wieder zurück Richtung Vinaros.
Vinaros
selbst ist ein hübsches Städtchen. Man sollte sich unbedingt
Hafen (von hier bekommt König Juan Carlos seine Fische), Markthalle
und Innenstadt anschauen. Auch eine Gokart-Bahn gibt es am Ortsrand.
Es
geht weiter gen Süden. Nächster Ort ist Benicarlo, ein nettes
Hafenstädtchen. Von hier sieht (Bild 4) man schon auf die Perle
der Gegend, Peniscola. Im Winter wohnen hier 4000 Leute, im Sommer 150.000,
also ein typischer Fremdenverkehrsort. Hier ist Pflicht, Tigerle abstellen
und Burg anschauen (nicht nur schauen, sondern begehen!-lohnt sich).
Tigerle
hat brav gewartet, dafür gibst jetzt noch ein Bonbon.
In
Peniscola weiter am Meer entlang, Richtung Font Nova. Ungefähr
1km vor Font Nova geht ein unbefestigtes Sträßchen direkt
am Meer entlang nach Alcoceber (auf der Karte von 5 nach 6 grün
eingezeichnet). Es geht erst steil bergauf zum Torre Badúm und
dann unbefestigt weiter am Meer entlang, so richtig schön durch
die Pampa. Hat mir besonders gut gefallen.

Tagesausflug
nach Montanejos und Coves de Sant Josep
Auf
obiger Karte als türkiser und roter Kreis gekenn-zeichnet sind
lohnenswerte Ziele. Die Entfernung vom Ausgangspunkt Vinaros ist ca.
130km. Auf der N 340 fahren wir Castellon. Von dort über Ribesalbes
auf reizvollen Sträßchen in die Berge nach Montanejos.
Montanejos
ist eine Art unerschlossenes Kurbad. Dem Wasser wird heilende Wirkung
nachgesagt. Die Benützung des Bades kostet keinen Eintritt. Das
Wasser kommt angenehm temperiert aus den Quellen. Man kann in eine Schlucht
hinein schwimmen, links und rechts gehen die Felsen hinauf, das ist
sehr eindrucksvoll.
Die
Bilder sind übrigens letztes Jahr im Sommer entstanden - daß
da keine Mißverständnisse aufkommen.
Leider
habe ich kein Bild von den Grotten des heiligen Sankt Josef. Aber von
Montanejos zu den Grotten ist es nur eine gute Stunde und wenn man nicht
zu ausgiebig badet, schafft man beides an einem Tag, ohne Eile.
Eine
schaurig-schöne Unterwelt erwartet uns in den Grotten. Kristallklares
Wasser, Tropfsteine - raffinierte Lichteffekte untermalt mit angenehmer
Musik entführen etwa auf 1km Länge teilweise mit Boot, teilweise
zu Fuß in eine feucht-kühle Atmosphäre.

Heimfahrt
am 22. April 2001
Wir
haben unsere Rückfahrt solange wie möglich hinausgezögert.
Aber am Sonntag Früh um 6.00 Uhr gings los. Unser beider Hinterteil
wollte eigentlich in Gedanken an die lange Fahrt streiken, aber was
blieb übrig.
Unter
dem Motto: "Nach Hause laufen die Pferde immer schneller",
ließen wirs laufen.
Nach
einem guten Frühstück in Barcelona waren wir nach ca. 4 Stunden
an der spanisch-französichen Grenze.
Stürmische
Winde bliesen uns fast wieder vom Hocker, wobei es schön und trocken
war. Aber es sollte noch anders kommen!
Simon
war guten Mutes - denn der Gedanken ans Essen und Ausruhen im Hotel
beschäftigten ihn schon unterwegs. Er übte schon mal!
Nach
8 Stunden Fahrt hatten wir etwa 700km hinter uns gebracht. Wir waren
zwischen Montemilar und Valance und hatten absolut keine Lust mehr Wir
fanden ein nettes Hotel. Im selben Hotel übernachtete ein Pärchen
aus England. Was hatten die wohl für ein Motorrad? Na, eine Teneré.
Sie standen vor unserer Tiger, wie wenn sie lieber mit dem Tigerle weiterfahren
wollten. Hotel und Essen war gut.
Die
Rastanlage in der Provence war super. Simon tobte sich aus, es gab eine
tolle Kletterwand und verschiedene andere Möglichkeiten, sich die
Zeit zu vertreiben.
Die
hatten hier wunderschöne Reisemitbringsel, angefangen vom Lavendelsäcken,
über ätherische Öle, Parfums und natürlich gute
Weine - aber ich habs lieber gelassen, wegen der Preise!
Nach
einer kurzen Nacht traute ich am Morgen meinen Augen nicht - es regnete!
Nach dem Frühstück auf in die Regenschlacht.
Auf
dem Rückweg fuhren wir nicht über die Schweiz, sondern grobe
Richtung Lyon-Mühlhouse. Es saute bis etwa 50km vor Mühlhouse.
Je näher wir in heimatliche Gefilde kamen, desto schöner wurde
das Wetter. In Mühlhouse hatten wir dann strahlenden Sonnenschein!
Jetzt
kam richtig Freude auf, über Freiburg, durchs Höllental, Schwarzwald,
noch ein kurzes Stück Autobahn - was waren wir froh: der Bodensee
hatte uns wieder!
Eins
ist sicher, wenn wir wieder eine Tour machen, dann mehr Zeit und nicht
mehr Autobahn!
Die
Freude war groß, denn am nächsten Morgen gab´s die
Neue!

