Kurven, Kurven und nochmal Kurven!
Chinque
Terre Mai 2005
Am
26.05.05 morgens um 5 Uhr starten wir, Camillo und Paco (erste größere
Tour mit der Bandit). Extra so früh, weil es am Simplon auf der
italienischen Seite eine Baustelle gibt und die Straße zwischen
10 Uhr und 15.00 gesperrt ist. Pässe sind angesagt und Bella Italia.
Alles ohne Autobahn, so ist´s geplant. Geplant zu Hause am Computer
und die Tour auf den Garmin 2610 überspielt. Vorne weg, ist ne
tolle Sache! Das Wetter ist noch etwas frisch, aber wunderbar sonnig
- und das sollte laut Wetterbericht auch so bleiben!

Der
Weg führte über Lindau durchs Fürstentum Lichtenstein
bis Chur, immer brav an die Geschwindigkeit haltend (all die weil die
Schweizer so kräftig zu langen!) Kurz nach Chur gings dann auch
schon aufwärts. Erst kommt der Oberalp-Pass dran, danach geht´s
weiter auf den Furka-Pass.

Vom
Furka aus sieht man schon die Straße zum Grimsel-Pass. Die fahren
wir jetzt noch nicht, erst auf dem Rückweg. Es ist jetzt schon
09.30 Uhr. Das heißt, wir können uns Zeit lassen, bis 10.00
Uhr klappt das sowieso nicht zum Grenzübergang nach Italien.
Nach
dem Furka könnten wir auf den Nufenen, aber den sparen wir uns
für ein anderes Mal auf. Bei Brig geht ´s weiter Richtung
Simplon. Die Pass-Straße ist breit und gut ausgebaut.

Kurz
nach 12.00 Uhr sind wir in Gondo, kurz vor der italienischen Grenze.
Die Information vom ADAC bestätigt sich, die Straße ist gesperrt
bis 15.00 Uhr. Bei Gulaschsuppe und Cola vertreiben wir den kleinen
Hunger.
Wir
sehen den herrlichen Wasserfall und nehmen uns vor, uns dort im Schatten
etwas zu erfrischen.
Es
ist genügend Zeit das Visier, die Schuhe und die Klamotten vom
Fliegendreck zu befreien. Das Gebirgswasser ist wunderbar erfrischend.
Im
Schatten warten wir ab bis kurz vor 15.00 Uhr. Man merkt schon, daß
sich da oben an der Straße was tut. Wir machen uns auch fertig.
Zwei
Minuten vor drei sind wir an der Grenzstation, da stehen bestimmt 200-300
Biker. Punkt drei öffnen die Grenzer und der ganz Pulk von Motorrädern
setzt sich in Bewegung. Das war super und interessant für mich
war, wie gesittet das ganze ablief. Da gab´s keine "Rowdies",
sag mir noch einmal was gegen Motorradfahrer!

Über
Domodossola geht es querfeldein in Richtung Lago Maggiore, den wir allerdings
nicht direkt anfahren. Wir fahren Richtung Omegna zum Lago d´Orta.
Hier machen wir einen kleinen Halt, bisschen trinken und ein Happen.
Weiter gehts am See entlang Richtung Borgomanero, kilometerweit gerade,
schnell und gut zu fahren. Es muß nicht Autobahn sein!
Weiter
in Richtung Novara, hier sind wir gegen 18.00 Uhr. Quartiersuche mit
dem Garmin 2610 überhaupt kein Problem. Ein Menüteil: Unterkunft.
Bei Anwahl werden uns 8 Hotels in einem Umkreis von 2 Kilometern angeboten.
Gleich das zweite, Hotel Victoria ist ok, einen abgeschlossen Platz
für unsere Susi´s bekommen wir auch mit (Übernachtung
mit Frühstück 85 Euro).
Nach
dem wir geduscht haben, geht´s in die Altstadt von Novara. In
einer Bar gibts frisch gezapftes Birra.
Weiter
wird die Stadt erkundet, herrliche Hausfassaden mit Figuren und Fresken.
Nebenstehenden
Turm sehen wir auch von unserem Hotelzimmer. Während wir vorbei
schlendern, überlegen wir, wieviel Blutzoll so ein Teil wohl gekostet
hat.
Nachdem
wir an etlichen Lokalen vorbei kamen und die Gerüche ganz gewaltig
die Saftsekretion im Magen anregen, machen wir uns auf den Weg zum Abendessen.
Wir haben uns dazu schon ein Lokal ( Ristorante Costa Azzurra in Hotelnähe)
auf dem Weg gemerkt, dort gehen wir jetzt hin.
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Bei
Paco gab´s aus der obigen Theke frischen Meeres-früchte-Salat.
Danach Spagetti Vogole und dazu einen schönen Roten!
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Um
2.30 fallen wir todmüde in unsere Betten und schlafen den Schlaf
der Gerechten.

Am
nächsten Morgen geht´s nach einem Frühstück weiter
Richtung Meer. Wir durchfahren die Po-Ebene, natürlich auch über
den Po.
Auf
direktem Wege gehts über kleine Straßen mit wenig Verkehr
Richtung Genua. Ca. 40km vor Genua wirds schön bergelig und nach
Genua paralell zur Autobahn gehts durch hübsche Dörfchen.
Je näher wir nach Genua kommen, desto dichter wird der Verkehr.
Die Hitze macht uns ganz schön zu schaffen. Es hat über 30
Grad! Das Meer erreichen wir gegen 14.00 Uhr. Nachdem wir uns durch
Genua gekämpft haben, machen wir in Sori in einer Bar direkt am
Meer eine kleine Mittagspause.
Nach
der Mittagspause entschließen wir uns, schon mal ein Quartier
zu suchen. Erleichtert von unserer kräftigen Montour wollen wir
nur in Jeans und Pulli (wie unvernünftig!!!) Chinque Terra erkunden.

Zwei
Hotel´s liegen bei 100 und 120 Euro´s für das Doppelzimmer,
das war uns zu heftig! Die dritte Anfrage bei Albergo La Neigra in Sestri
Levante finden wir ok (Doppelzimmer ohne Frühstück 45 Euronen),
allerdings Dusche und Toilette auf dem Flur. War alles sauber und für
eine Nacht sowieso ok. Also nix wie Zimmer bezogen und dann wie geplant,
in leichten Klamotten auf zu Chinque Terre.
Wir
fahren alles am Meer entlang, wunderbare Ausblicke überwältigen.

Paco
ist überwältigt
Auf
kleinen Sträßchen mit Spitzkehren, die Pass-Straßen
in nichts nach stehen, führen uns jeweils direkt ans Meer.
Das Wasser so
klar, das Wetter so warm, wir würden am liebsten baden. Aber
die Vernunft siegt. Zum einen haben wir heute (und es ist jetzt schon
nach 16.00 Uhr) noch Chinque Terre vor uns, zum anderen gabs da keine
Duschen. Mit dem Salz vom Meerwasser auf der Haut ist es nicht so
angenehm, also lassen wir das mit dem Baden und fahren weiter.
Es geht also weiter
und besonders interessant. Ich glaub es war Monéglia. Plötzlich
stockt der Verkehr und wir fahren vor bis zur roten Ampel. Ein Hinweisschild
klärt uns auf. Im Zehn-Minuten-Takt gehts abwechselnd durch einen
einspurig befahrbaren Tunnel. Das war ein Erlebnis der besonderen
Art, du fährst in den schlecht beleuchteten Tunnel, siehst so
gut wie nix, weil du ja aus grellem Sonnenlicht in die Dunkelheit
eintauchst. Mir kam der Tunnel sehr lange vor, bestimmt 5km oder mehr
(vielleicht auch weniger). Zwischendurch dann manchmal eine kurze
Unterbrechung, wo dich die Sonne wieder voll erwischt und dann wieder
hinein ins dunkle Loch!
Wir fahren nicht
in alle fünf Dörfer (Chinque Terre), denn du musst hier
in jedes Dorf einzeln hinunter und wieder hinauf fahren, die haben
untereinander keine fahrbare Verbindung.
Viele Kurven und
Spitzkehren begeistern uns und speziell die Strecke von Levanto bis
La Spezia ist besonders reizvoll, weil man hier immer wieder auf´s
Meer und die 5 Dörfer schauen kann.
Von La Spezia
entschließen wir uns dann auf der Autobahn zurück nach
Sestri Levante zu fahren. Wir sind heute soviel gefahren, daß
wir jetzt den bequemsten und schnellsten Weg zum La Neigra wählen.
Nach einer wohltuenden
Dusche gibts ein Abendessen. Danach vertreten wir uns noch die Beine
und weil wir uns verlaufen, sehen wir mehr, als wir eigentlich vorhatten.
So finden wir auch noch die Altstadt von Sestri Levante. Es ist allerhand
geboten hier und jede Menge Leute sind noch um Mitternacht unterwegs.
Gegen ein Uhr
fallen wir halbtot ins Bett.

Am
nächsten Morgen sind wir um 7 Uhr schon wieder hellwach (wer am
Abend saufen kann, hat gefälligst am nächsten Morgen wieder
fit zu sein!). Wir packen unsere sieben Sachen und frühstücken
in der Bar der Albergo eine Kleinigkeit. Dann satteln wir die "Pferdle"
und es geht zurück, am Meer entlang, zunächst bis St. Margherita.
Hier
genießen wir in der Bar Vittoria einen guten Espresso.
In
der Ortsmitte von St. Margherita geht eine Sackstraße in Richtung
"Portofino", ja dem sagenumwobenen und schlagerbesungenen
Portofino. Es ist wirklich ein wunderschön gelegenes Örtchen,
abseits von jeglichem Durchgangsverkehr. Der Agnelli (FIAT-Chef) weiß
schon, warum er hier seine tolle Villa hat!

Wir
fahren weiter Richtung Genua und passen uns den Verkehrsgegebenheiten
im Pulk aller Biker (vorwiegend Roller-Fahrer!) an. Und da fährt
man mal auf der linken, mal auf der rechten Spur oder aber auch auf
der ganz linken (Busspur). Wenn man das so macht, kommt man ganz flott
durchs Verkehrsgewühl.
Plötzlich
..... Verkehrskontrolle, Carabinieri mit Kelle, winkt Roller´s
vorbei, alles vorbei, winkt Paco vorbei und pickt sich ganz gezielt
den Camillo heraus. Paco wartet und knipst in sicherem Abstand. Nach
bestimmt 10 Minuten kommt Camillo und deutet mir an, fahr weiter, ich
erzähl dirs später.
Also
weiter durchs Gewühle von Genua. Am Hafen vorbei und weiter immer
Richtung Savona. Wir suchen einen Bancomat, wir brauchen Nachschub.
An
einer Bank stellen wir die Susi in den Schatten, holen Geld und nützen
gleich eine Bar an der selben Stelle, um uns zu erfrischen.
Paco
ist natürlich ganz neugierig, was die Carabinieris wollten. Der
Camillo hatte etwas den Anschluss an Paco verpasst und ist dann ganz
kurz auf der Busspur recht schnell gefahren. Genaues weiß man
nicht. Der Carabinieri hat per Funk Nachricht bekommen, ein gelbes Motorrad
würde viel zu schnell gefahren sein. Eine Ausweiskontrolle ergab,
daß Camillo einen italienischen Pass hat und eine Kontrolle des
Geldbeutels ergab, daß Camillo kein Geld hat. Mit dem Hinweis,
daß das normal zwischen 150 und 300 Euros kosten würde, konnte
Camillo mit dem Hinweis, langsamer zu fahren, weiterziehen ohne irgend
etwas zu zahlen. Alles Mafiosi oder was?

Es
geht weiter bis Varazze. Hier trennen wir uns von Meer und Verkehr.
Über die Via Nuova Cassanova gehts auf wirklich schmalen Sträßchen
zum Monte Baigua. Hier auf 1287m sieht man wunderbar über Genua
und in Richtung Frankreich. Hier oben ist auch eine Riesen-Antennen-Anlage
vom Militär.

Es
geht nach ausgiebigem Fotographieren weiter zunächst in Richtung
Martina, alles wie gehabt kleine Landstraßen und Kurven, Kurven,
Kurven.
Wieder
im Ausgang einer Kurve sehen wir eine kleine Brasserie. Einladend laden
uns Sonnenschirme und Sitzplätze zum Verweilen. Wir sind ja hier
im Urlaub und nicht auf der Flucht. Also auf in die Brasserie. Da ich
meinen Freund Camillo dabei habe, gibts natürlich überhaupt
keine Sprachprobleme.

Auch
hier, mit er äußerst freundlichen und charmanten Wirtin,
kommen wir dadurch bestens zurecht. Camillo bekommt auch einen speziell
zubereiteten "kalten Kaffee", den sie normal nicht auf der
Karte hat.

Als
wir ankommen, sind wir die einzigen Gäste. Innerhalb von 10 Minuten
ist der Parkplatz voll mit Motorrädern. Der Snack und die Erfrischungen
waren bestens und frisch gestärkt fahren wir weiter.

Im
Laufe des Morgens haben wir unsere Tour etwas geändert. Wir wollten
das Aostatal und den großen St. Bernard mitnehmen. Wir fuhren
also über Acqui Terme Richtung Casale, Vercelli, Biella. Wir wollten
noch die schönen Kurven zwischen Biella Richtung Ivrea mit nehmen.
Auf dieser Strecke sahen wir den ersten Motorradunfall. Eine rote Ducati
stand ziemlich lädiert am Straßenrand, kann ja mal passieren!
Dann im Aostatal kurz vor Aoste nochmal, da wurde ein Chopper von einem
Auto aufgeladen.
Gegen
18.00 Uhr sind wir in Aoste. Unser Navi schickt uns ins Class Hotel
in Aoste. Tolles Zimmer mit Frühstück 90 Euros mit Frühstück
und Platz für die Susis in der Tiefgarage.

Duschen
und ab in die Altstadt! Erst DUUUUURRRRST! Nachdem wir unseren Durst
gelöscht hatten, waren wir wieder voll da und entdeckten gleich
diese

getunte
Aprilia. Schade drum, sowas macht man aber wirklich nicht!
Wir
schlendern durch die Altstadt. Aoste ist umgeben von mehreren 4000ern.
Man sieht hier das M. Blanc Massiv, den Col du St. Bernard, Matterhorn,
aber das nur nebenbei.
Wir
spazieren über den großen Platz vor dem Hotel de Ville. Durch
die angenehmen Gerüche in der Fußgängerzone wird unser
Hunger immer größer. Und wir werden fündig. Unser Lokal
an diesem Abend wird das Break House.
Was
auf unseren Tisch kam, sieht man an folgenden Bildern:

Camillos
Spagetti Vongole

beide
Pizza Capriciosa
es
war einfach phantastisch, ein wunderschöner Abschluß des
Tages. Und wieder wars 1 Uhr morgens, die Nacht war kurz - also schnell
schlafen!

Wie
üblich, am Morgen raus, frühstücken und los gehts. Gleich
in Aoste geht´s in lang gezogenen Kurven und Kehren Richtung Großer
St. Bernard. Aber schon auf der Anfahrt sahen wir, daß der Pass
geschlossen ist. Schade, wir hatten uns so gefreut.
Also
fahren wir halt durch den langweiligen Tunnel du Grand St. Bernard und
löhnen vorher 13.20 Euros pro Person.
Von
der Abfahrt gibts weiter nichts erwähnenswertes. Es geht über
Martigny, Sion bis Brig. Die Strecke von Brig bis Gletsch sind wir auf
dem Weg Richtung Simplon ja schon gefahren.
Die
Auffahrt zum Grimsel ist sehr nass, durch das heisse Wetter viel Schmelzwasser
und unsere Susi sehen dementsprechend aus.
Auf
dem Grimsel wurden wir von einem freundlichen Bikerpärchen empfangen.
Trotz dieser Freundlichkeit halten wir uns nur kurz auf. Bei der Abfahrt
gehts am Oberaarsee und am Grimselsee vorbei. Beide haben teilweise
noch Eis.
Wir
wollen weiter über den Susten-Pass, der jedoch auch noch geschlossen
ist. Also machen wir einen kleinen Abstecher zum Brienzer See und essen
dort zu Mittag. Bei erfrischendem Wasser und Rahmbraten beschließen
wir, noch über den Brüning-Pass zu fahren und danach den Weg
über die Autobahn Luzern-Zürich-Bodensee zu nehmen.
Gegen
17.00 Uhr sind wir in Stockach.

Wenn
wir ein Resümee ziehen: es war eine Super-Reise, es hat einfach
alles gepasst. Kurven, Kurven und nochmal Kurven. Herrliche Panoramen,
Sonne, Sonne und Meeeer!
Wir
können nur sagen, das schmeckt nach meeehr!
