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Gesund,
vielseitig im Geschmack und schnell zubereitet - das sind die Vorteile
von Keimlingen, die immer mehr Speisepläne bereichern. Bereits vor
rund 3000 Jahren soll im alten China ein Kaiser seinem Volk befohlen
haben, Sojabohnen keimen zu lassen. Mittlerweile gehören frische
Keimlinge im Fernen Osten zu den Grundnahrungsmitteln. Und auch
hierzulande erobern die kleinen Kraftpakete Kühltheken und Fensterbänke.
Als
Keimling oder Keim wird eine zarte Jungpflanze bezeichnet, die gerade
die Samenschale durchbrochen oder bereits einen dünnen Stängel gebildet
hat. In der Küchensprache wird fälschlicherweise oft auch der Begriff
Sprosse verwendet. Biologisch haben Keime und Sprosse jedoch nichts
miteinander zu tun: Sprossen sind die meist oberirdisch wachsenden
Jungtriebe einer Pflanze.
"Im
Prinzip ist jedes intakte Korn in der Lage zu keimen, sobald es
bei Licht, Wärme und Sauerstoff mit ausreichend Wasser in Berührung
kommt", sagt Martin Rutkowsky von der Akademie Gesundes Leben im
hessischen Oberursel. Das Küchensortiment konzentriert sich jedoch
auf die Keime aus Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten.
Gemeinsam
ist ihnen allen: Sie übertreffen mit ihren Inhaltsstoffen manches
Obst oder Gemüse. Das liegt zum einen am Ausgangsmaterial. "Die
Samen enthalten die Vitamine, Enzyme, Mineralien und Spurenelemente
einer ausgewachsenen Pflanze", erklärt Irmela Erckenbrecht, Ernährungsberaterin
beim Vegetarierbund Deutschland (VEBU) in Hannover.
Dieser
schon hohe Nährwert nimmt während des Keimvorgangs noch sprunghaft
zu. Denn dann werden zusätzliche Vitamine, aber auch Ballaststoffe
und sekundäre Pflanzenstoffe gebildet. Gleichzeitig verbessert sich
die Qualität der Eiweiße und Fette. "Während dieses Prozesses werden
auch Kohlenhydrate ab- und umgebaut, darunter auch diejenigen, die
für Blähungen verantwortlich gemacht werden", sagt Erckenbrecht.
"Die Keime von Hülsenfrüchten sind deshalb viel leichter verdaulich
als die Samen."
Allerdings
nimmt die Qualität der Inhaltstoffe wieder ab, sobald die ersten
grünen Blättchen gebildet werden und das Wachstum beginnt. Entsprechend
wichtig ist der richtige Erntezeitpunkt. Er liegt zum Beispiel bei
Rettich, Leinsamen oder Bockshornklee zwei Tage, bei Mungobohnen
oder Luzerne fünf Tage nach dem Keimbeginn.
Frische
Keime werden am besten direkt nach der Ernte gegessen. Vor dem Verzehr
sollten sie mit reichlich frischem Wasser gespült werden. Dann werden
nicht gekeimte Samen aussortiert.
Die
meisten Keimlinge können gleich roh genossen werden. Die erste Empfehlung
ist natürlich, die Keimlinge auf oder in den Salat zu geben. Auch
ein Brot mit Butter oder Quark und mit Keimlingen bestreut schmeckt
köstlich. Dabei geben die kleinen Delikatessen die Richtung an:
Mit Senf, Gartenkresse oder Rettich wird es scharf und würzig, mit
Linsen, Leinsamen oder Luzerne nussig und mit Bockshornklee leicht
orientalisch. Besonders zarte Keimlinge eignen sich auch für Dips,
Soßen oder Kräuterbutter. Süßliche Getreidekeime machen sich hervorragend
auf dem Müsli, der Quarkspeise oder dem Obstsalat.
Natürlich
dürfen die frischen Pflänzchen auch wie Gemüse kurz gedünstet oder
angebraten werden. "Perfekt ist die Zubereitung im Wok: Die Keime
werden ganz kurz und unter ständigem Rühren in sehr heißem Fett
gegart. So bleiben sie schön knackig", erläutert Ute Rabe, Fachbuchautorin
aus Paderborn. Bei einzelnen Hülsenfrüchten, nämlich Erbsen, Sojabohnen
und Kichererbsen, ist das Erhitzen der Keimlinge sogar ein Muss:
Sie sollten vor dem Verzehr kurz blanchiert werden. Dabei werden
ungesunde Stoffe, die während des Keimens nur zum Teil abgebaut
werden, unschädlich gemacht.
Zur
Not können die Pflänzchen in eine Haushaltsbox umgefüllt und 2-3
Tage im Kühl-schrank auf der Glasplatte über dem Gemüsefach aufbewahrt
werden. (dpa)
Artikel
mit freundlicher Genehmigung auszugsweise entnommen aus www.suedkurier.de
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